Der trübe Herbsttag im Jahr 2006, an dem das Areal von offziellen Vertretern der Stadt und dem chinesischen Konsulat der Öffentlichkeit übergeben wurde, ließ die weißen Löwen rechts und links der Seitenaufgängen noch mürrischer erscheinen, als sie ohnehin schon dreinblickten. Die wenigen Blätter an den umstehenden Birken wurden vom Wind heruntergeweht. Der Gedenkstätte stand der erste Hamburger Winter bevor. Damals blieb sie weitestgehend unentdeckt. So idyllisch sie auch liegen mochte, nur sehr hartgesottene verirrten sich abseits der Südallee hierhin.
Doch inzwischen erregen die Löwen und der Gedenkstein Stauen bei den Spaziergängern und Radfahrern, die hier gerne auf einer Bank, zwischen lauschigen Bäumen und kleinem Teich, eine Pause einlegen. Nur leider haben die Offiziellen vergessen, eine erklärende Tafel für die Neugierigen aufzustellen. Dabei gibt es einige interessante Dinge über die Historie der Chinesen auf dem Ohlsdorfer Friedhof zu berichten.
Die Hintergründe reichen bis in das Jahr 1929 zurück, als der Deguo Hanbao Zhonghua Huiguan („Chinesische Verein in Hamburg“) einen Pachtvertrag über eine Grabstätte mit der Friedhofsverwaltung abschloß. Damit sollten die in Hamburg lebenden Chinesen die Möglickeit bekommen, auch außerhalb des Heimatlandes eine würdige Beerdigungsstätte zu finden, selbst wenn sie kein Geld hatten, ihren Leichnam nach China überführen zu lassen.
Da der Bestattung in heimatlicher Erde eine zentrale Rolle im kulturellen Leben der Chinesen zukommt, ist der symbolische Charakter eines solchen Ortes nicht hoch genug anzusetzen.
Das Zusammengehörigkeitsgefühl der wenigen Hundert chinesischen Seeleute, Restaurantbetreiber und Wäschereibesitzer im fremden Hamburg wurde durch die Grabstätte gestärkt. Während der Herrschaft der Nationalsozialisten blieb die Grabstätte von Verschandelungen verschont; der Alltag der Chinesen war jedoch vom Terror und dem Rassismus der Nazis geprägt. Auch sie erlebten Verfolgung und die Deportation in Konzentrationslager. In der Nachkriegszeit verwaiste die Grabstätte zunächst, Unkraut überwucherte das Terrain. Ab Mitte der 50er Jahre erwacht die Migrationsgeschichte der Chinesen in Hamburg langsam neu, so daß auch der symbolisch wichtigste Ort wieder eine Rolle im Leben der Menschen aus dem Reich der Mitte zu spielen begann.
Heute geht die Initivative für die Grabstätte nicht von einem chinesischen Verein aus, sondern ist ein Anliegen der Offiziellen Chinas. Ein weiterer Beweis dafür, welchen Stellenwert Hamburg im Denken und Fühlen der Chinesen besitzt. Vielleicht haben sich die Hamburger und die Chinesen im Alltag noch nicht gefunden, aber eine gemeinsame Ruhestätte, zum Verweilen, Gedenken und Innehalten, haben sie bereits – in der Nähe von Kapelle 10, entlang der Südallee und dann rechts abbiegen, in den kleinen Fußweg.
Wer mehr über die Geschichte der Chinesen in Hamburg erfahren möchte, der sollte sich das sehr informative und äußerst lesenwerte Buch Fremde – Hafen – Stadt von Lars Amenda aus dem Dölling und Galitz Verlag besorgen. 368 spannende Seiten, die man nur so verschlingt!

Denn Stoffkauf ist eine Wissenschaft für sich. Aus dem bedruckten Tuch wird nicht einfach ein Kleidungsstück hergestellt, sondern ein Symbol, das den sozialen Status die Trägerin repräsentiert. So trägt zum Beispiel eine Frau nach ihrer Heirat andere Schnitte und Motive als sie zuvor getragen hat. Wenn sie Mutter geworden ist, ändert sich ihre Garderobe erneut. Die wunderschöne Kombination trois piecès, deren engtaillierter Rock an einen Fischschwanz erinnert und auch auf Hamburger Strassen oft zu sehen ist, wird von jungen, verheirateten Frauen getragen. Kräftige Farben und riesige Muster unterstreichen das selbstbewußte Auftreten der aparten Damen, die jedes westliche Modell vergessen lassen.
In den 1750er Jahren gelingt es dem gewieften Mecklemburger Kaufmann Schimmelmann, dem hochverschuldeten dänischen Königshaus eine Geldanleihe von ca. 1 Million Reichtaler zukommen zu lassen. Als Anerkennung wird ihm die dänische Staatsangehörigkeit verliehen, wenig später ernennt ihn der König zum Schatzkanzler. Schimmelmann zieht nach Hamburg, errichtet nahe des Michels ein Stadtpalais, kauft 1759 das Schloß Ahrensburg und richtet sich ein Handelskontor in Kopenhagen ein. Es ist die Blütezeit des Kolonialhandels zwischen Europa, Afrika, Süd- und Mittelamerika. Geschäftsleute, die es verstehen Waren- und Transportwege kostengünstig miteinander zu verbinden und außerdem preiswerte Arbeitskräfte beschaffen, erwirtschaften ein Vermögen. Als internationale Hafenstadt bietet Hamburg dabei enorme „Standortvorteile“. 
In Wandsbek baut sich der Herr Graf derweil ein Schloß, dessen Überreste noch heute zu besichtigen sind. Damit dort auch Hauspersonal zur Stelle ist, bringt er dann und wann Waisenkinder von den Plantagen mit nach Hamburg, die als Hausdiener, Gärtner oder Koch für die Familie Schimmelmann arbeiten – unentgeltlich versteht sich. Schließlich werden sie in die zivilisierte Welt eingeführt, das muß als Lohn genügen. 1790 setzt man dem verstorbenen Verdienstvollen mit einem klassizistischen Kuppelbau, der als Mausoleum dient, ein Ehrenmal. Die Totenstätte liegt immer noch idyllisch in einem kleinen Park, versteckt hinter Tannen, unweit des Wandsbeker Markts. Eine erläuternde Geschichtstafel sucht man vergeblich – damals wie heute.
Wer mehr über die koloniale Vergangenheit Hamburgs verfahren möchte, dem sei das aufschlußreiche und spannende Buch Branntwein, Bibeln und Bananen – Der deutsche Kolonialismus in Afrika – Eine Spurensuche in Hamburg empfohlen, das der engagierte Geschäftsführer des Eine Welt Netzwerk e.V., Heiko Möhle, herausgegeben hat. Regelmässig macht er auch Stadtführungen im Rahmen des Statt Reisen-Programms, Infos unter















An diesen stimmungsvollen Frühabenden ist ein Ort von einer ganz besonderen Magie umgeben: die von einem hohen Bambushain umgebene Buddha-Stele. Tief verborgen im hinteren Teil des Botanischen Gartens, steht die circa 2 - 3 Meter große Säule, reich verziert mit buddhistischen Ornamenten auf einem Podest. Dichte Bambushecken schützen das kleine Heiligtum vor allzu neugierigen Blicken. Nichts deutet auf dieses herrliche Schmuckstück hin. Nur denjenigen, die sich über das naheliegende, kleine Flüsschen wagen, wird Buddhas Gegenwart zuteil. In der Mitte der Stele, sitzen vier etwa 30 Zentimenter große Boddhisatvas in betender Haltung, in alle Himmelsrichtungen blickend, auf einer großen Lotusblüte. Unmittelbar unter den vier Figuren führt ein Fries um die Stele, in dem ebenfalls kleine Abbilder Buddhas zu sehen sind. Dieser Platz könnte genauso gut irgendwo in Thailand, Kambodscha, Burma oder im buddhistischen Teil Indiens sein, würde hier nicht ein wesentliches Attribut fehlen: Räucherstäbchen und ihr Duft. Wen die Urlaubskasse im Stich gelassen hat, der findet hier adäquaten Ersatz. Auf einer Decke oder Matte läßt es sich bequem verweilen, mit einem Reisgericht im Gepäck und Oloong-Tee zum Nachspülen und, um die Sinnestäuschung perfekt werden zu lassen, die Räucherware und Kerzen nicht vergessen! Zwischen piepsenden Vögeln, raschelndem Bambus und leise plätscherndem Bächlein an lauen Sommerabenden ein einmaliges Erlebnis!
Aber vor Überraschungen ist man nie sicher, mag der Laden auch noch so formstreng geordnet sein. Wie üblich, ging ich auch in diesen Laden, erzählte von meinem Vorhaben, ein Buch über Hamburgs „Orient“ zu machen und wollte dabei gleichzeitig um Fotoerlaubnis fragen. Der Ladenbesitzer hatte bisher nur genickt, gelächelt, genickt, gelächelt – aber kein Wort gesagt. Als ich dann meine Fotomappe herauszog, um ihm andere Bilder von Asia-Shops in der Hansestadt zu zeigen, muß er mich wohl für eine Anzeigenvertreterin gehalten haben. „No photo! No photo! No advertising!“, bellte es mir plötzlich entgegen. Er begann wild mit den Händen zu fuchteln, als wollte er mich aus seinem Laden haben. Ich konnte ihn jedoch beruhigen und durfte bleiben. Also, alles noch mal auf Englisch. Und siehe da, es klappte. „Wann kommt Foto in Buch?“, fragte er zum Abschluß – auf Deutsch. Diese Antwort habe ich mir eine Flasche Pflaumenschnaps kosten lassen.
Durch die großen Schaufenster lässt sich das gesamte Angebot des Ladens überblicken. Zur Auswahl stehen mindestens zehn verschiedene Reiskocher-Modelle, für den Single-Haushalt wie für die Großfamilie, Messer aller Art, Papierlampions, Gebrauchsporzellan, Kochbücher, Siebe und Nippes aller Art. Die für einen Asia-Shop obligaten Ramen-Nudel-Päckchen gibt es natürlich auch. Sehr zur Freude der flippigen Kunden, die hier ihre kulinarischen Wochenend-Einkäufe tätigen. „Selbst“ chinesisch kochen ist schließlich mega in und soll außerdem ja gesund sein. Da fängt man gerne mit einem Instant-Pack an. Wer ein Faible für kuriose Tischutensilien hat, dem sei das Zahnstocher-Pickhuhn ans Herz gelegt. Man drückt es nett, und artig gibt es einen Stocher frei. Wai kou hao!



