
Regen und Wind werden geschickt, um sie von den Haken der Vordächer zu holen. Ein Grund mehr, mal wieder den Asia-Shop an der Ecke zu besuchen und beim Aufsammeln der Lampions zu helfen.






Und dass dies durchaus der Fall sein kann, lassen bereits die verlockenden Auslagen in der circa vier Meter langen Schaufensterfront vermuten. Mit der Auswahl an Schüsseln, Tellern, Saucentöpfchen, Reiskochern und -dämpfern, Pflaumenschnaps-Glässchen und kompletten Eß-Services mit diversen Mustern lassen sich ganze China-Restaurants ausstatten. Außerdem gibt es Nippes, Kitsch und Buddha-Figuren in allen Variationen. Also, nichts wie hinein und stöbern. Drinnen ist es meistens voll, an Samstagvormittagen immer. Ganz Hamburg versammelt sich dann hier zum Einkaufen: Vietnamesen, Thais, Afrikaner, Indonesier, Chinesen, Koreaner – Bayerisch war auch schon zu hören. Vinh Loi bietet eine riesige Auswahl an asiatischen Produkten. Von Süssigkeiten, Getränken, Tees, Suppen, Reissäcken, Gewürzen, Saucen, über tiefgefrorenen Fisch, Fleisch, Tiefkühlkost, frisches Obst und Gemüse und vieles, vieles mehr. Besonders imposant sind die Gefriertruhen, in denen der Fisch auf seine Kundschaft wartet – wohlgemerkt ganzer Fisch, kein filettierter, gebraten oder irgendwie behandelter Fisch. Er scheint gleich aus dem Meer oder Gewässer in diese Truhe gehüpft zu sein, nur noch schnell eine Einschweißfolie drum, mit Fangort, Datum und Name. Wer bisher nur Kabeljau, Lachs und Aal kennt und sein sonstiges Wissen über Fische aus dem Zoo-Aquarium bezieht, dem sei dieser Anschauungsunterricht wärmstens empfohlen. Es gibt nichts, was es nicht gibt.
Herrlich ist es, mitzuerleben, wie ein chinesisches Ehepaar sich über den Kauf eines Flosseninhabers den Kopf zerbricht, nach einem schöneren Objekt sucht, den Fisch hin und her dreht, wieder weglegt, um dann doch wieder zur erstgegriffenen Packung zurückzukehren. Die vielen verschiedenen Menschen bei ihren Käufen zu beobachten ist ein Teil des Vinh Loi-Vergnügens.
Wer seinem Hausgeist etwas Gutes tun möchte, der kann in der Non-Food-Abteilung zwischen zwei praktischen Geisterälteren wählen; die moderne Variante ist mit bunten Lämpchen ausgestattet. Bis vor einiger Zeit gab es auch eine eingeschränkte Auswahl an chinesischen Popmusik-CDs, bei der man so manche musikalische Entdeckung in Sachen Rock und Hip-Hop machen konnte, die westliche Star blass aussehen lassen.
Aber vor Überraschungen ist man nie sicher, mag der Laden auch noch so formstreng geordnet sein. Wie üblich, ging ich auch in diesen Laden, erzählte von meinem Vorhaben, ein Buch über Hamburgs „Orient“ zu machen und wollte dabei gleichzeitig um Fotoerlaubnis fragen. Der Ladenbesitzer hatte bisher nur genickt, gelächelt, genickt, gelächelt – aber kein Wort gesagt. Als ich dann meine Fotomappe herauszog, um ihm andere Bilder von Asia-Shops in der Hansestadt zu zeigen, muß er mich wohl für eine Anzeigenvertreterin gehalten haben. „No photo! No photo! No advertising!“, bellte es mir plötzlich entgegen. Er begann wild mit den Händen zu fuchteln, als wollte er mich aus seinem Laden haben. Ich konnte ihn jedoch beruhigen und durfte bleiben. Also, alles noch mal auf Englisch. Und siehe da, es klappte. „Wann kommt Foto in Buch?“, fragte er zum Abschluß – auf Deutsch. Diese Antwort habe ich mir eine Flasche Pflaumenschnaps kosten lassen.
Durch die großen Schaufenster lässt sich das gesamte Angebot des Ladens überblicken. Zur Auswahl stehen mindestens zehn verschiedene Reiskocher-Modelle, für den Single-Haushalt wie für die Großfamilie, Messer aller Art, Papierlampions, Gebrauchsporzellan, Kochbücher, Siebe und Nippes aller Art. Die für einen Asia-Shop obligaten Ramen-Nudel-Päckchen gibt es natürlich auch. Sehr zur Freude der flippigen Kunden, die hier ihre kulinarischen Wochenend-Einkäufe tätigen. „Selbst“ chinesisch kochen ist schließlich mega in und soll außerdem ja gesund sein. Da fängt man gerne mit einem Instant-Pack an. Wer ein Faible für kuriose Tischutensilien hat, dem sei das Zahnstocher-Pickhuhn ans Herz gelegt. Man drückt es nett, und artig gibt es einen Stocher frei. Wai kou hao!